Digital Life Aspekte: nach dem ‘natürlichen’ Tod

am 17. März 2008 durch Mark Buzinkay
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Mein Beitrag heute ist ein wenig skurril, zugegeben. Aber er beschäftigt sich mit einem interessanten Aspekt von Digital Life: dem Tod. Oder noch genauer ausgedrückt, mit dem Weiterleben nach dem Tod. Denn was passiert mit unseren Daten, wenn unser biologischer Körper stirbt?

Menschen errichteten und errichten weltweit irgendwelche Formen von Grabstätten oder Erinnerungen an die Verstorbenen - ob Pyramiden, Steingräber, Urnen, Hügel, Gruften, Denkmäler. Ihnen ist eine Idee gemeinsam: die Erinnerung an einen Menschen aufrecht zu erhalten, und zwar möglichst lange. Man kann dies auch als einen Wunsch nach Unsterblichkeit interpretieren.

Mit den digitalen Medien tun sich auf einmal ganz neue Möglichkeiten auf. Das Web ist ja noch nicht so alt, aber werden wir bald Webseiten entstehen sehen, die eine Art Erinnerungsplattform darstellen werden? Ein Verzeichnis von Verstorbenen, mit Profil, Geschichte, Verwandten und Freunden - eine neue Form von Social Networks, in deren Mitte der “Ahnenkult” stehen wird?

Das klingt ja alles recht spekulativ. Aber auch auf diesem Gebiet zeigt sich, dass das Web  hier vordringt. Zwei Beispiele möchte ich nennen:

  1. The Last Email: noch zu Lebzeiten sollte man gewöhnlich sein Testament machen. Aber was ist mit einer persönlichen Nachricht? The Last Email ist ein Dienst, der vorbereitete Nachrichten im Fall des Ablebens an die vorbestimmten Empfänger verschickt, quasi eine letzte Email vom bereits Verstorbenen.
  2. Human Archives: dieses digitale Profil eines Menschen - ob zu Lebzeiten entstanden oder nicht - soll eine individuelle Geschichte erzählen. Zweck des Ganzen: nicht vergessen zu werden, wohl die tiefste Angst des Menschen. Human Archives bietet ein digitales Denkmal (”online memorial webpage”), eingebettet in Text und Multi-Media, erstellt von Einzelnen oder Mehreren, inklusive Guestbook. Und: es garantiert “Ewigkeit”.

Da scheinen sich neue Aufgaben für Bestatter, Gemeindeämter und Zeremoniemeister aufzutun. Ich stelle mir folgende Fragen, die mir in den Sinn kommen, und die ich gerne hier mit Ihnen diskutieren würde:

  1. Verliert das Grab an Stellenwert?
  2. Finden Begräbnisse bald online statt?
  3. Werden Bots als natürliche Abbilder der Verstorbenen auf ihren Webseiten mit den Besuchern in einen interaktiven Dialog treten können?
  4. Welche Rollen können Archive oder andere Gedächtniseinrichtungen hier spielen?
  5. Wer kappt die bestehenden Web-Accounts von Verstorbenen in online Anwendungen?
  6. Könnten alle digitalen Spuren eines Verstorbenen (Webseiten, Lifestreams, Workstreams etc.) in einen einzigen ‘Identity-Stream’ integriert werden?
  7. Werden biologische Spuren Bestandteil eines digitalen Denkmals werden - außer Fotos, Vidoes oder Audio-Files? Ich denke hier z.B. an DNA-Sequenzen.

Ich bin schon gespannt auf Ihre Ideen und Gedanken…

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